Gründung des Forschungszentrums Neu-Ulrichstein (FNU) im Jahr 2011

Ein Lufbild 2014 mit dem ersten groß angelegten Versuchsfeld. Mit 150 Bienenvölkern wird Pollen in Senf und Phacelia geerntet.

Die Entwicklung des Standorts Neu-Ulrichstein zu einem anerkannten Umweltforschungszentrum begann im Jahr 2011.

Eine kleine Gruppe von Forschern, Stadtentwicklern und Landwirten und ein vorausschauender Beschluss der Homberger Stadtverordnetenversammlung stellten die richtigen Weichen: Gemeinsam bestimmten Wissenschaftler und Politiker das ehrgeizige Ziel, "Neu-Ulrichstein zu einem forschungsorientierten Standort" zu entwickeln und begannen bundesweit für das Projekt zu werben.

Inzwischen kann das Zentrum auf renomierte Partner verweisen. Die Tradition des Standortes in der landwirtschaftlich orientierten Forschung wurde sehr erfolgreich weiter geführt. Mit den auf dem Campus aktiven Unternehmen, gemeinnützigen und staatlichen Einrichtungen ist es gelungen, das FNU als leistungsfähigen und verlässlichen Partner in der deutschen Forschungslandschaft zu etablieren.

Das Forschungszentrum Neu-Ulrichstein – kurz FNU – hat seine Schwerpunkte in den Bereichen Ökotoxikologie, Umwelttechnologie, Regenerative Energien, Umweltschutz und Landwirtschaft.  

Auf der Suche nach einem neuen Nutzungskonzept 2005 bis 2011

Die Zeit zwischen Einstellung des Tierversuchszentrums Ende 2004 bis zur Übernahme der ehemaligen Staatsdomäne durch das Forschungszentrum Neu-Ulrichstein ist geprägt von der Suche nach einem neuen Nutzungskonzept.

Die Entscheidung für das landwirtschaftlich orientierte Forschungszentrum verbindet die Tradition der Domäne mit einer neuen Konzentration auf einen jungen, zukunftsorientierten Forschungsbereich.

Leistungsprüfungen für Landwirtschaftliche Nutztiere 1960 bis 2004

Neu-Ulrichstein in den 1970-ger Jahren

Das Tierzuchtzentrum wurde im Jahr 1960 als Landesanstalt für Leistungsprüfungen in der Tierzucht (später: Landesanstalt für Tierzucht) eingerichtet.

Zur Bereitstellung von landwirtschaftlichen Flächen und Gebäuden wurde das Hofgut Neu-Ulrichstein als Domäne des Landes Hessen übernommen. Mit der Gründung der Hessischen Landesanstalt für Leistungsprüfungen in der Tierzucht sollten zunächst vor allem die von verschiedenen Institutionen und in mehreren Orten durchgeführten Stationsprüfungen verschiedener landwirtschaftlicher Nutztiere zentralisiert werden.

So kamen nach Neu-Ulrichstein:

  • die Leistungs- und Qualitätsprüfungen beim Schwein
  • sowie die Legeleistungsprüfung beim Huhn vom Oberen Hardthof, Gießen,
  • Schafmastleistungsprüfung von Kassel-Wilhelmshöhe und
  • die Stationsprüfung auf Wollleistung beim Angora-Kaninchen von Darmstadt.
  • die Lehr- und Versuchsanstalt für Bienenzucht, Marburg (1970, zuvor seit 1966 in Kirchhain ansässig)
  • Rinderprüf- und Versuchsstalles (1991)


Seit dem 1. Januar 2001 war das Tierzuchtzentrum Neu Ulrichstein ein Standort des Hessischen Dienstleistungszentrum für Landwirtschaft, Gartenbau und Naturschutz (HDLGN), seit dem 1. Januar 2005 bis 2011 Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) mit Hauptsitz in Kassel.

Im Jahr 2004 wurde der Betrieb eingestellt und das Gelände 2009 bis 2011 veräußert.

Was war das Tierleistungszentrum?

Im Mittelpunkt der Arbeit des Tierzuchtzentrums standen Qualitäts- und Leistungsprüfungen als Grundlage jeglichen Zuchtfortschritts. Sie dienten den hessischen Tierzüchtern als Selektionshilfe zur Verbesserung der genetischen Leistungsfähigkeit der Zuchttiere. Diese war die Basis für die Sicherung der Wirtschaftlichkeit und Effizienz der hessischen Tierhaltung.

Wichtigstes Ziel der Prüfungen im Hinblick auf den Verbraucher war die marktgerechte Erzeugung qualitativ hochwertiger Produkte. In Anspruch genommen wurden die Leistungs- und Qualitätsprüfungen für Rinder-, Schweine- und Schafzüchtern. In speziell hierfür eingerichteten Ställen wurden diese als Eigenleistungs- und Nachkommenprüfungen durchgeführt. Alle Prüfungen beinhalteten die Feststellung der Zuwachsleistung und des Futterverbrauchs, bei den Nachkommenprüfungen wurde zusätzlich die Schlachtkörperqualität und die Fleischbeschaffenheit ermittelt, sowie Parameter zur Klassifizierung der Genusseigenschaften des Fleisches erfasst.

Im Rahmen der praktischen Forschung wurden am Tierzuchtzentrum Fragen der Verbesserung der Haltung, Fütterung und der Umweltgestaltung bearbeitet. Die Untersuchungen im Bereich Futter und Fütterung zielten auf die Optimierung der Nährstoffversorgung, der Wachstumsleistung und der Gesundheit der Tiere. Darüber hinaus wurden Stall- und Fütterungseinrichtungen auf ihre Eignung für die Praxis getestet.

Die Schafhaltung in Neu-Ulrichstein war Voraussetzung für die Durchführung von Lehrgängen und Seminaren für Schäfer und Schafhalter in den Bereichen Haltung, Fütterung, Gesundheit von Schafböcken, Mutterschafen und Lämmern sowie zu Stall- und Weideeinrichtungen. Es wurden Versuche zur Landschaftspflege mit Schafen durchgeführt, deren Ergebnisse zur Erarbeitung von Pflegekonzepten beitrugen.

Im Bereich der Kleintierhaltung standen aktuelle Fragen zur artgemäßen Legehennenhaltung, Eignung von verschiedenen Hybridherkünften für alternative Haltungsverfahren, Optimierung der Fütterung von Geflügel und Verbesserung der Tiergesundheit im Mittelpunkt. Außerdem wurde an der Weiterentwicklung von Haltungs- und Fütterungsverfahren für Geflügel in der Fleischerzeugung (Hühner, Tauben, Gänse, Enten u. a.) gearbeitet. Die Versuchsergebnisse flossen in das Informationsangebot für hessische Tierhalter ein und stellten eine wichtige Grundlage für die Erstellung von Beratungsempfehlungen dar.

Die Pilotanlagen zur Abwasserreinigung und thermischer Holzverwertung dienten der Information von Landwirten und Bürgern über Möglichkeiten des Umwelt- und Ressourcenschutzes im ländlichen Raum. Ende des Jahres 2005 stellte der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) seine Aktivitäten am Standort Neu-Ulrichstein ein.

Und heute?

  • Die Leistungsprüfungen bei Rind, Schwein und Schaf wurden an andere Träger übertragen:  Leistungs- und Qualitätsprüfung beim Schwein wurden von der Zucht- und Besamungsunion Hessen eG ( ZBH ), An der Hessenhalle 1,  36304 Alsfeld ab September 2005 übernommen.
  • Schafmastleistungsprüfung wurde vom LLH am Standort Eichhof weitergeführt.
  • Die Eigenleistungsprüfung beim Rind wurde von der Zucht- und Besamungsunion Hessen eG (ZBH), An der Hessenhalle 1,  36304 Alsfeld an einem Standort in Thüringen fortgeführt. 
  • Die Versuchsbereiche Rind, Schwein, Schaf und Kleintiere (Geflügel) wurden nicht fortgeführt.
  • Stationsprüfung auf Wollleistung beim Angora-Kaninchen sowie der gesamte Versuchsbereich Kaninchen wurde bereits Mitte der neunziger Jahre eingestellt.  

Vom landgräflichen Hauptgestüt zum Ausbildungsplatz (1780 bis 1960)

Historisches Luftbild
Wer kann uns sagen welches Jahr das ist?
Mailto: info[@]neu-Ulrichstein.de
Dem FNU freundlicher Weise von den Landwirten, die Mitte der 50ger Jahre auf Neu-Ulrichstein ihre Lehre absolvierten zur Einweihung am 13. Sept. 2014 überreicht.

Landwirtschaft, landwirtschaftliche Entwicklung und Ausbildung haben Tradition in Neu-Ulrichstein: Schon um das Jahr 1780 machte sich der Hof einen Namen als landgräfliches Hauptgestüt.

Gepachtet vom Verein zur Beschäftigung Arbeitsloser war Neu Ulrichstein ab 1885 Arbeits- und Ausbildungsstelle für landwirtschaftlich und handwerklich orientierte Berufe. Fortgesetzt wurde dieser Bildungsaspekt nach dem 2. Weltkrieg vom Evangelischen Landjugenddorfwerk, das das Gut 1949 als Ausbildungsstätte für landwirtschaftliche Berufe übernahm.